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Nachruf auf Prof. Dr. Udo Steinbach 

Die Gesellschaft zur Förderung des Leibniz-Zentrums Moderner Orient (ZMO) e.V. trauert um ihren Vorsitzenden Prof. Dr. Udo Steinbach, der am 2. August völlig unerwartet verstorben ist. Seit Dezember 2023 war er der Vorsitzende dieses Vereins, dessen Ziel die ideelle und materielle Unterstützung der Forschungen am ZMO ist. 

Udo Steinbach war ein Weltbürger im besten Sinne des Wortes: hochgebildet, neugierig, vorurteilsfrei und den Menschen zugetan. Er vermied jede Verengung seines Weltbildes und griff begierig neues Wissen, neue Eindrücke und bisher unbekannte Positionen auf. Er war sicherlich einer der ganz wenigen Wissenschaftler der alten Bundesrepublik, der Kollegen aus der DDR noch vor der Wende Publikationsmöglichkeiten in den Schriftenreihen seines Hauses bot. Ungleich bekannter ist allerdings sein unermüdliches Wirken für einen konstruktiven Dialog zwischen der muslimisch geprägten Welt und christlichabendländischem Westen. Er vermittelte unzählige Gespräche zwischen Wissenschaftlern, Politikern, Diplomaten und Wirtschaftskapitänen „beider Welten”, organisierte Foren und Kongresse und sorgte für eine möglichst breite Verbreitung der Ergebnisse. 

Dabei half ihm sein auf klassischer Bildung beruhendes, außerordentlich breites Wissen über den Vorderen Orient. Aus seiner Feder stammen Grundlagenwerke, aber auch zahlreiche Arbeiten zur Türkei, zum Golf, zu Iran, zu Zentralasien und zum Kaukasus. Bei alledem war er das vollständige Gegenteil zum klassischen “Stubengelehrten”. Udo Steinbach vertrat mit Nachdruck die Meinung, dass das durch akribische Forschung erworbene Wissen über die Fachmedien hinaus aktiv in die Gesellschaft hineingetragen werden muss, um Wirkung zu erzielen. Seine Auftritte in Rundfunk und Fernsehen, in Zeitungen und Zeitschriften sowie auf öffentlichen Veranstaltungen sind Legion. Regelmäßig wurde er in der von der Zeitschrift “Cicero” erstellten Übersicht über die fünfhundert wichtigsten deutschen Intellektuellen prominent gelistet, in der Regel als einziger Nahostwissenschaftler. 

In den dreißig Jahren seiner Tätigkeit als Direktor des Deutschen Orient-Instituts erwies sich Udo Steinbach auch als großartiger Chef: fordernd, aber auch großherzig. Er ließ seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Freiraum. Er erwartete lediglich, dass sie sein Arbeitsethos und die Grundmaxime seines Handelns teilten. 

Die Terrorangriffe vom 11. September 2001 wurden zu einer der wichtigsten, wenn nicht der einschneidendsten Zäsur im beruflichen Leben von Udo Steinbach. Nicht zu Unrecht fürchtete er eine drastische Verengung des Diskurses, eine einseitige Darstellung des Islams und insbesondere eine Fokussierung auf Extremismus und Terrorismus. Damit drohte seinem Herzensanliegen, dem Dialog der Kulturen, ernsthafte Gefahr. Gegen diese Gefahr stemmte er sich über seine Pensionierung 2008 hinaus mit aller Kraft bis an das Ende seines Lebens. 

In seinem Engagement für die Maecenata Stiftung und als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des ZMO war es Udo Steinbach ein besonderes Anliegen, aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft herauszutreten und die Regionen, denen er sein Leben gewidmet hatte, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei waren seine Offenheit, sein lebenslanger Wissensdurst und seine Freude an verschiedensten Menschen und Kulturen die wesentlichen Triebfedern seines Wirkens. Bis zuletzt arbeitete er mit schier unerschöpflicher Energie an neuen Projekten, baute Brücken der Verständigung und fand einfache, eindrückliche und menschliche Worte, wo allzu oft festgefahrene Positionierungen den Diskurs bestimmen. 

Dies kam bei den Jahresveranstaltungen zum Tragen, die unser Verein in Kooperation mit der Katholischen Akademie Berlin ausrichtete, deren Themenwahl und Organisation Udo Steinbach seit dem Jahr 2020 intensiv begleitete. Hier wurden die breiten Interessen deutlich, die sein Engagement bestimmten, von ökologischen Fragen über Frauenemanzipation, von Wertedebatten hin zu Generationengerechtigkeit. 

Wir haben in Udo Steinbach einen Gelehrten und Förderer, vor allem aber einen lieben Freund verloren. Wir werden ihn schmerzlich vermissen. 

 

Prof. Dr. Henner Fürtig für den Freundeskreis und das ZMO